Arbeiten in der Türkei

Die Türkei ist nicht nur für gut ausgebildete Türken, die in Deutschland groß geworden sind, ein attraktives Auswanderungsland. Die türkische Wirtschaft ist in den letzten Jahren stark gewachsen und die Arbeitslosenquote ist geringer als in vielen Ländern der EU. Dazu kommen relativ geringe Lebenshaltungskosten sowie die berühmte türkische Gastfreundlichkeit. Zu den größten Hürden gehört dabei das Erlenen der Sprache, was für einen guten Job unerlässlich ist.

Wirtschaftliche Lage und Arbeitsmarkt in der Türkei

Zwischen 2001 und 2007 erlebte die Türkei einen enormen Boom mit hohen Wachstumszahlen. Mittlerweile hat sich der Aufschwung zwar etwas abgekühlt, die türkische Wirtschaft zeigt sich dennoch stabil. Ein Grund hierfür ist die schwierige politische Lage, aufgrund derer es immer wieder zu Anschlägen kommt. Darunter hat insbesondere der Tourismus stark zu leiden.

Wachstum gibt es unter anderem in der IT- und Kommunikationsbranche mit ihren zahlreichen Dienstleistungen. Dazu werden auch in der Automobil- und Zuliefererindustrie immer wieder gut ausgebildete Fachkräfte gesucht. Weitere Branchen mit gutem Potenzial sind die Textilbranche sowie die boomende Bauindustrie. Auch im Bereich der Umwelt- und Energietechnologien gibt es viele freie Stellen. Türkische Rückkehrer aus Deutschland mit entsprechender Ausbildung und Erfahrung sind auf dem Arbeitsmarkt übrigens besonders begehrt.

Zu beachten sind dabei die großen regionalen Unterschiede in der Türkei. Die Metropolen im Westen verfügen über eine moderne Industriewirtschaft, während der Osten eher landwirtschaftlich geprägt ist.

Löhne und Gehälter in der Türkei

Das Lohnniveau in der Türkei ist nicht mit den westlichen EU-Staaten zu vergleichen. Es gibt einen Mindestlohn, welcher zum 01.01.2016 auf 1.300 Lira (387 Euro) angehoben wurde. Zum 01.07.2016 ist eine weitere Anhebung um sechs Prozent geplant. Allerdings wird diese Erhöhung durch hohe Inflation mehr als aufgefressen. Die Preissteigerung liegt aktuell bei 10 Prozent.

Das türkische Durchschnittseinkommen ist regional stark unterschiedlich. Im landwirtschaftlich geprägten Südanatolien haben Familien mit durchschnittlich 17.346 Lira (5.172 Euro) pro Jahr am wenigsten Geld zur Verfügung. Das höchste Durchschnittseinkommen wird mit 35.000 Lira (10.437 Euro) in Istanbul erzielt. Hinter Istanbul rangiert Westanatolien, wo die wirtschaftlich ebenfalls starke türkische Hauptstadt Ankara liegt, und die besonders vom Tourismus geprägte Ägäisregion.

Lebenshaltungskosten in der Türkei

Im Vergleich zu Deutschland sind die Lebenshaltungskosten in der Türkei deutlich geringer. Nach Angaben des Türkischen Statistik Instituts liegen diese bei rund 1.200 Euro im Monat. Allerdings gibt es hierbei starke regionale Schwankungen. So liegen die Lebenshaltungskosten in Metropolen wie Istanbul oder der Türkei recht deutlich über dem Durchschnitt. In ländlichen Regionen kommt man dagegen bereits mit rund 700 Euro monatlich gut zurecht.

Die Mietpreise sind in Istanbul am höchsten. Für eine durchschnittliche 3-Zimmer-Wohnung muss mit monatlichen Kosten von etwa 700 Euro gerechnet werden. In anderen Städten gibt es Wohnungen mit 100 Quadratmetern bereits für 400 bis 500 Euro monatlich. Entlang den Küsten gibt es zudem sehr günstige Kaufobjekte. Neugebaute Zweizimmerwohnungen sind beispielsweise schon ab 40.000 Euro erhältlich.

Obst und Gemüse wird in der Türkei angebaut und ist deshalb sehr günstig. Wesentlich teurer sind dagegen Fleisch, Käse und Milchprodukte. Ein Kilo Rindfleisch kostet im Supermarkt zumeist über 12 Euro. Wegen der hohen Alkoholsteuer sind alkoholische Getränke generell sehr teuer. Für ein Bier muss man ca. EUR 1,50 bis EUR 2,00 zahlen.

Steuern und Sozialversicherung in der Türkei

Die Sozialleistungen in der Türkei sind nicht mit denen in Deutschland zu vergleichen. So beträgt etwa das Kindergeld nur rund 10 Euro monatlich. Einige Leistungen wie Sozialhilfe oder eine Pflegeversicherung gibt es zumindest derzeit noch nicht. Um pflegebedürftige Menschen kümmert sich zumeist die eigene Familie.

Wer in der Türkei lebt und arbeitet, wird von seinem Arbeitgeber bei der SSK (Sosyal Sigortalar Kurumu) versichert. Selbstständige und in der Angestellte in der Landwirtschaft werden bei der Bag-Kur angemeldet. Die türkische Sozialversicherung bietet Schutz bei Krankheit, Mutterschaft, Arbeitsunfällen, Behinderung und Berufskrankheiten. Dazu ist eine geringfügige Altersversorgung integriert.

Die staatliche Krankenversicherung bietet lediglich eine minimale Grundversorgung. Hierzu gehört zwar eine kostenlose Behandlung in den staatlichen Krankenhäusern, allerdings sind diese zumeist schlecht ausgestattet und es gibt lange Wartezeiten. Einige Leistungen wie teure Medikamente oder Untersuchungen müssen komplett selbst bezahlt werden. Wer mindestens 120 Tage krankenversichert war, erhält eine Lohnfortzahlung ab dem 3. Krankheitstag.

Die zu zahlende Einkommenssteuer bewegt sich zwischen 15 und 35 Prozent. Der Mindestsatz wird für alle Einkommen bis zu 10.700 Lira jährlich berechnet. Ab einem Jahreseinkommen von 60.001 Lira wird der Spitzensteuersatz fällig.

Aufenthaltsgenehmigung und Arbeitserlaubnis für die Türkei

Eine Aufenthaltsgenehmigung für die Türkei zu erhalten ist nicht allzu schwierig. Zunächst einmal benötigen Einwanderer ein Visum, welches durch die Ausländerbehörde ausgestellt wird. Hierfür muss ein Einkommensnachweis sowie ein polizeiliches Führungszeugnis vorgelegt werden. Nach etwa drei Wochen wird die „Ikamet Tezkeresi“ erteilt, welche direkt für 12 bis 60 Monate gültig ist. Voraussetzung hierfür ist, dass der Antragsteller nachweisen kann, dass er seinen Lebensunterhalt eigenständig bestreiten kann. Finanzielle Rücklagen auf einem Sparbuch sind hierbei ein wichtiges Hilfsmittel. Sind diese nicht vorhanden muss man sich um eine Arbeitserlaubnis bemühen, was kein einfaches Vorhaben darstellt.

Denn in der Türkei werden einheimische Arbeitnehmer bezüglich einer Einstellung vorrangig behandelt. Der Antrag auf eine Arbeitserlaubnis wird nur dann bewilligt, wenn sich für die betreffende Stelle kein türkischer Arbeitnehmer findet. Wer fünf Jahre in der Türkei lebt, kann alternativ eine Selbstständigkeit beantragen. Diese Wartezeit entfällt, wenn das Unternehmen mindestens 10 Arbeitsplätze zur Verfügung stellt.