Arbeiten in Schweden

Es gibt viele Gründe warum Menschen nach Schweden auswandern möchten. Junge Familien möchten von den guten Schul- und Betreuungsangeboten profitieren, um Kinder und Beruf besser mit einander zu vereinbaren. Zudem schätzen Auswanderer den hohen Lebensstandard und die gute soziale Absicherung. Da Schweden zur Europäischen Union gehört sind die Hürden für eine Arbeitsaufnahme sehr gering. Wer englisch spricht, kommt im Alltag gut zurecht. Für einen längeren Aufenthalt sollte man die schwedische Sprache in Wort und Schrift beherrschen.

Wirtschaftliche Lage und Arbeitsmarkt in Schweden

Nachdem sich die schwedische Wirtsschaft über viele Jahre als sehr stabil erwiesen hat, ist die Arbeitslosigkeit in jüngster Zeit wieder gesteigen. Die Arbeitslosenquote liegt aktuell bei etwa 8 Prozent (Stand 5/2016). Für gut ausgebildete Fachkräfte gibt es jedoch nach wie vor attraktive Möglichkeiten auf dem schwedischen Arbeitsmarkt. Die Wirtschaft befindet sich zu fast 85 Prozent im Privatbesitz und ist gut entwickelt. Zu den wichtigsten Wirtschaftszweigen gehören Informationstechnologie, Telekommunikation, E-Commerce, Internet und neue Medien. Nicht zu vergessen traditionsreiche Branchen wie Holz- und Automobilindustrie.

Zu den Berufen mit besonders guten Aussichten gehören:

  • Ärzte, Krankenschwestern und Pfleger
  • Hebammen
  • Zahnärzte
  • Lehrer
  • Informatiker
  • Handwerker wie Elektriker, Maler oder Fliesenleger

Das Gleichberechtigung in Schweden groß geschrieben wird zeigt sich auch auf dem Arbeitsmarkt. Der Anteil von berufstätigen Frauen ist mit 48 Prozent überdurchschnittlich hoch. Moderne Angebote zur Kinderbetreuung und Teilzeitarbeit sorgen dafür, dass auch Mütter mit mehreren Kindern berufstätig sind.

Viele Unternehmen suchen gezielt nach ausländischen Fachkräften und bieten dabei kostenlose Sprachkurse an. Bei Bewerbungen wird großer Wert auf die vorhandenen Referenzen gelegt. Es ist durchaus üblich, dass Erkundigungen bei früheren Arbeitgebern eingeholt werden.

Löhne und Gehälter in Schweden

Das Pro-Kopf-Einkommen ist im Vergleich zu Deutschland um einiges höher. Im Gegenzug müssen jedoch auch mehr Steuern gezahlt werden. Der Durchschnittsverdienst lag 2013 bei rund 30.000 SEK (3.400 Euro) monatlich. Dabei gibt es je nach Branche und Region teilweise starke Schwankungen. Am besten verdienen Arbeitnehmer in Stockholm. Im südlichen Schweden sind die Gehälter ebenfalls höher als im weniger besiedelten Norden.

Die höchsten Durchschnittsgehälter werden mit 85.600 SEK (9.800 Euro) in der Finanzbranche erzielt. Am schlechtesten bezahlt werden Reinigungskräfte und Aushilfen in der Gastronomie. Bei Erziehern fällt das Gehalt mit durchschnittlich 21.000 SEK (2.400 Euro) im Vergleich ebenfalls nicht allzu hoch aus.

Beispiele für Durchschnittslöhne in Schweden:

  • Arzt: 58.900 SEK
  • Krankenschwester: 32.400 SEK
  • Lehrer: 27.500 SEK
  • Elektriker: 24.500 SEK
  • Koch: 21.700 SEK
  • Bäcker: 22.00 SEK

Zu den Besonderheiten in Schweden gehört die hohe Transparenz bei Löhnen und Gehältern. Im Vergleich zu Deutschland gibt es hier kein Steuergeheimnis. Wer wissen möchte, was jemand anders verdient, kann einfach beim Finanzamt nachfragen. Lediglich das Einkommen des Königs ist tabu.

Eine Wohnung in Schweden finden




Wie im gesamten Skandinavien ist es auch in Schweden eher üblich, eine Immobilie zu kaufen. Für Auswanderer ist dies Möglichkeit zumindest am Anfang natürlich keine Option. Eine Mietwohnung zu finden ist vor allem von Deutschland aus alles andere als einfach. Es gibt nur wenige private Hausbesitzer, die Wohnraum vermieten. Mietwohnungen werden in der Regel von den Kommunen sowie großen Wohnungsbaugesellschaften angeboten. Interessenten müssen sich dabei ein eine Warteliste eintragen. In Stockholm sind mehrjährige Wartezeiten keine Seltenheit. In kleineren Orten gestaltet sich das Ganze zumeist etwas einfacher.

Um von hier aus eine Wohnung zu suchen empfiehlt es sich, die Dienste eines Maklers in Anspruch zu nehmen. Zudem gibt es die Möglichkeit zunächst eine Ferienwohnung zu buchen und sich dann vor Ort auf Wohnungssuche zu begeben. Im Gegensatz zu anderen Ländern gibt es zwischen Städten und ländlichen Regionen nur geringe Unterschiede bei den Mietpreisen. Es gibt ein Gesetz, welches die möglichen Gewinne bei Mietwohnungen reguliert.

In Stockholm liegt der durchschnittliche Mietpreis pro Quadratmeter bei 93 SEK. Für Göteborg und Ortschaften mit mehr als 75.000 Einwohnern muss mit 88 SEK gerechnet werden. In kleineren Städten gilt ein Durchschnittspreis von 73 SEK pro Quadratmeter.

Weitere Lebenshaltungskosten in Schweden

Die Lebenshaltungskosten sind im Vergleich etwas höher. Allerdings sind die Unterschiede seit der Einführung des Euro hierzulande geringer geworden. Ein Grund für die höheren Kosten liegt in der Mehrwertsteuer von 25 Prozent. Im Gegenzug werden viele Sozialleistungen über Steuereinnahmen finanziert. So ist beispielsweise für Kinder bis 12 Jahre ein Platz in einem Kinderhort der Kommunen garantiert.

Besonders teuer sind Alkohol und Tabakwaren. Gleiches gilt auch, für was Ticketpreise für den öffentlichen Nahverkehr betrifft. Diese sind oftmals doppelt so hoch wie in deutschen Städten. Was die Benzinpreise betrifft, ist das Preisniveau in Schweden ähnlich wie hierzulande.

Für einen Durchschnittshaushalt sollten die folgenden Kosten pro Monat eingeplant werden:

  • Single-Haushalt: 14.200 SEK
  • 2-Personen-Haushalt: 26.000 SEK
  • 4-Personen-Haushalt: 35.000 SEK

Steuern und Sozialversicherung in Schweden

Wer in Schweden lebt und arbeitet, unterliegt automatisch der Sozialversicherungspflicht. Dies gilt sowohl für angestellte Arbeitnehmer wie auch Selbstständige. Die schwedische Sozialversicherung umfasst Kranken-, Eltern-, Invaliditäts-, Renten- und berufliche Unfallversicherung. Der Abschluss einer Arbeitslosenversicherung geschieht auf freiwilliger Basis. Finanziert wird das Sozialsystem über die Einkommenssteuer sowie Abgaben des Arbeitnehmers.

Aufgrund zahlreicher Zuzahlungen für Arztbesuche und Behandlungen nehmen viele Schweden zunächst eine telefonische medizinische Hilfe in Anspruch. Für weitergehende Behandlungen begibt man sich in die lokale Behandlungszentrale, welche Allgemein- und Fachärzte unter einem Dach vereinigt. Niedergelassene Ärzte sind eher selten.

Beispiele für Zuzahlungen in Stockholm:

  • Arztbesuch: 140 SEK
  • Röntgenbilder: 100 SEK
  • Stationäre Behandlung: 80 SEK pro Tag
  • Medikamente: 1.800 SEK pro Jahr

Kosten für Zahnbehandlungen werden von der schwedischen Krankenkasse nicht übernommen, weshalb die meisten Einwohner eine private Zusatzversicherung besitzen.

Pflegebedürftige werden in Schweden sehr gut versorgt. Die Kosten für einen ambulanten Pflegdienst oder eine Unterbringung im Heim werden für Rentner durch die Kommunen übernommen. Rentner erhalten wie Behinderte einen persönlichen Assistenten zugewiesen, der sich um die alltäglichen Dinge kümmert.

Das Rentensystem basiert auf einer Art Einheitsrente, welche bei allen Rentenempfängern für ein einheitliches Niveau sorgen soll. Bei einem durchschnittlichen Einkommen beträgt der Satz etwa 50 Prozent. Besserverdiener erhalten einen deutlich höheren Prozentsatz. Personen ohne Einkommen erhalten ebenfalls eine Rente.

Die Einkommenssteuer setzt sich in Schweden aus zwei Teilen zusammen. Es gibt eine Kommunalsteuer, die je nach Wohnort zwischen 29 und 35 Prozent des Bruttoeinkommens beträgt. Dazu kommt eine nach der Einkommenshöhe gestaffelte staatliche Einkommenssteuer. Wer umgerechnet unter 34.120 Euro im Jahr verdient, ist davon befreit. Bei einem Einkommen von bis zu 50.749 Euro führt der Arbeitgeber 20 Prozent ab. Der Spitzensteuersatz liegt bei 57 Prozent.

Aufenthaltsgenehmigung in Schweden

Schweden gehört zur Europäischen Union, sodass EU-Bürger keine Aufenthaltserlaubnis oder Arbeitsgenehmigung benötigen. In den ersten drei Monaten kann man sich ohne Einschränkungen im Land aufhalten. Anschließend ist die Bestätigung des Aufenthaltsrecht bei schwedischen Einwanderungsamt („Migrationsverket“) erforderlich. Diese ist an bestimmte Bedingungen geknüpft. So muss nachgewiesen werden, dass der Betreffende selbst für seinen Lebensunterhalt sorgen kann. Dabei werden die folgenden Nachweise akzeptiert:

  • Arbeitsvertrag bei einem schwedischen Unternehmen
  • Selbstständigkeit mit ausreichendem Einkommen
  • Ausreichende finanzielle Rücklagen
  • Partner eines Einwanderers mit Aufenthaltsrecht oder als Elternteil eines Kindes unter 21 Jahren mit Aufenthaltsrecht

Wer mindestens fünf Jahre im Besitz des Aufenthaltsrechts ist, kann die schwedische Staatsbürgerschaft beantragen. Dabei gibt es auch die Möglichkeit der doppelten Staatsbürgerschaft.

Beantragung einer Steuerkarte in Schweden




Wer länger als ein Jahr in Schweden lebt und das Aufenthaltsrecht hat, sollte eine Personennummer besitzen. Es handelt sich dabei um eine Identifikationsnummer über die unter anderem Steuern bezahlt, Versicherungen abgeschlossen oder ein Bankkonto eröffnet wird. Die Personennummer kann beim zuständigen Finanzamt beantragt werden, nachdem das Aufenthaltsrecht bestätigt wurde. Beim Finanzamt trägt man sich zudem in ein Melderegister ein und erhält eine Identitätskarte auf welcher die Personennummer gespeichert ist.