Auswandern nach Norwegen

Norwegen gehört zu den beliebtesten Zielen für deutsche Auswanderer. Neben der schönen Natur gehören auch die sehr guten Berufsaussichten und Verdienstmöglichkeiten zu den Gründen für einen Umzug nach Norwegen. Das Land hat eines der höchsten Pro-Kopf-Einkommen weltweit. Für EU-Bürger gibt es nur wenige bürokratische Hürden. Dennoch sollten vor der Entscheidung nach Norwegen auszuwandern einige Punkte beachtet werden.

Wirtschaftliche Lage und Arbeitsmarkt in Norwegen

Die Arbeitslosenquote ist in letzter Zeit zwar gestiegen, bewegt sich mit etwas über vier Prozent jedoch nach wie vor auf einem niedrigen Niveau. Zu den Hauptgründen der steigenden Arbeitslosigkeit gehört der aktuell sehr niedrige Ölpreis. Der Ölpreisverfall führte in erster Linie zu einem regionalen Anstieg der Arbeitslosigkeit an der Westküste, wogegen in anderen Teilen Norwegens das Arbeitsplatzangebot teilweise Zuwächse verzeichnet.

Insgesamt ist der norwegische Arbeitsmarkt nach wie vor durch einen Mangel an Fachkräften gekennzeichnet. Norwegen bietet vor allem für ältere Arbeitnehmer gute Chancen, da diese im Vergleich zu Deutschland deutlich bessere Aussichten haben.
Neben der Ölindustrie gehören Fischerei, Schifffahrt und Energiegewinnung zu den wichtigsten Wirtschaftszweigen. Die norwegische Handelsflotte ist die viertgrößte weltweit. In den strukturschwächeren Regionen Mittel- und Nordnorwegens spielt zudem der Tourismus eine wichtige Rolle. Die Großstädte Oslo, Bergen und Trondheim verfügt über ein großes Angebot an Finanz- und Geschäftsdienstleistungen.

Für die folgenden Berufgruppen bestehen besonders gute Aussichten auf dem norwegischen Arbeitsmarkt:

  • Ärzte, Pfleger und Krankenschwestern
  • Mitarbeiter in der Ölindustrie
  • Mitarbeiter in der Fischindustrie
  • Automechaniker und Maschinenbauer
  • Handwerker

Die Mehrzahl der norwegischen Unternehmen sucht über das Internet nach neuen Mitarbeitern. Große Firmen veröffentlichen offene Stellen auf ihrer Webseite. Zudem werden viele Jobs über private Empfehlungen vermittelt.

Situationen bei Löhnen und Gehältern in Norwegen

Norwegen gehört zu den Ländern mit den höchsten Pro-Kopf-Einkommen. Für manche Berufe liegen die Gehälter um bis zu 50 Prozent über dem, was man in Deutschland gewohnt ist. Allerdings sind auch Lebenshaltungskosten vor allem in Region Oslo um einiges höher. Das durchschnittliche Gehalt eines Angestellte beträgt etwa 40.000 NOK (5.000 Euro).

Monatliche Einkommen verschiedener Berufe in Norwegen:

  • Krankenschwester mit besonderer Qualifikation: 36.500 NOK
  • Arzt im Krankenhaus: 56.000 NOK
  • Elektriker: 32.500 NOK
  • Hotelkaufmann: 26.000 NOK
  • Lehrer an öffentlichen Schulen: 36.000 NOK

Wie in Deutschland verdienen Männer (42.000 NOK) im Schnitt besser als Frauen (36.500 NOK). In einigen Branchen wie dem Baugewerbe und der Schiffsindustrie gilt ein gesetzlicher Mindestlohn.

Arbeitsbedingungen in Norwegen




Üblich sind in Norwegen sowohl befristete wie auch unbefristete Arbeitsverträge. Dabei wird in der Regel eine Probezeit von bis zu sechs Monaten vereinbart, in welcher das Arbeitsverhältnis von beiden Seiten mit einer Frist von 14 Tagen beendet werden kann. In den meisten Berufen wird bis zu 40 Stunden pro Woche gearbeitet. Arbeitszeiten, die darüber hinausgehen gelten als Übestunden, die mit einem Zuschlag von mindestens 40 Prozent vergütet werden. Ab einer bestimmten Position gibt es jedoch keinen Anspruch auf Bezahlung der Überstunden. Die Rechte und Pflichten vor Arbeitnehmern sowie Arbeitgebern sind in einem Arbeitsschutzgesetz geregelt.

Pro Jahr besteht Anspruch auf 21 Tage Urlaub. Die meisten Arbeitnehmer erhalten jedoch 25 Tage. Urlaubsgeld wird in der Regel gezahlt, wenn der Mitarbeiter im vorangegangenen Kalenderjahr voll gearbeitet hat. Die Höhe richtet sich dabei nach dem erzielten Vorjahreseinkommen. Den aktuellen Urlaubsgeldanspruch können Arbeitnehmer aus ihrer Gehaltsabrechnung entnehmen.

Norwegen gilt als besonders kinderfreundlich, was sich auch in der Arbeitswelt zeigt. So ist es hier keine Seltenheit, dass die Kinder mit ins Büro genommen werden. Das Doppeleltern-Modell gibt Frauen die Möglichkeit zu arbeiten, während sich der Partner um die Kinder kümmert. Zudem gibt es in nahezu allen Gemeinden Ganztageskindergärten, sodass beide Elternteile arbeiten können.

Wohnungssuche in Norwegen

In Norwegen ist es üblich, eine Wohnung oder ein Haus zu kaufen. Deshalb gibt es besonders in ländlichen Gebieten nur eine geringe Zahl an verfügbaren Mietwohnungen. Die Mietpreise unterliegen je nach Region starken Schwankungen. Am teuersten ist das Wohnen in der Hauptstadt Oslo. Für eine Zwei- bzw. Dreizimmerwohnungen liegen die Mietpreise zwischen 9.000 und 11.500 NOK. In Bergen liegt die durchschnittliche Miete zwischen 6.800 und 8.700 NOK monatlich. Wer sich für ein Leben in kleineren Städten entscheidet, wohnt deutlich günstiger. Hier sind für vergleichbare Wohnungen durchschnittlich ca. 5 350 NOK bzw. 6 460 NOK zu zahlen.

Die meisten Vermieter verlangen eine Kaution von ein bis drei Monatsmieten. Der Mietvertrag läuft in der Regel unbefristet und kann von beiden Parteien mit einer Frist von 30 Tagen gekündigt werden. Häuser und Wohnungen werden zumeist über das Internet, in der jeweiligen Lokalzeitung sowie landesweit in Aftenposten annonciert. Zudem erfolgt die Vermietung sehr häufig über private Empfehlungen. Deshalb kann es sinnvoll sein zunächst eine Ferienwohnung zu mieten und sich dann vor Ort auf Wohnungssuche zu begeben.

Lebenshaltungskosten in Norwegen

Den attraktiven Löhnen und Gehältern stehen in Norwegen hohe Lebenshaltungskosten entgegen. Dies gilt vor allem für die großen Städte Oslo, Bergen und Trondheim. Lebensmittel sind im Vergleich zu Deutschland um durchschnittlich 50 Prozent teurer. Dies betrifft neben den täglichen Lebensmitteln Brot, Wurst, Kaffee und Milch insbesondere Genussmittel wie Alkohol und Zigaretten sowie Kosmetik und Pflegeprodukte. Die norwegischen Supermärkte bieten regelmäßig Sonderangebote, die preislich jedoch immer noch um etwa ein Drittel höher liegen als hierzulande.

Steuern und Sozialversicherung in Norwegen

Wer in Norwegen arbeitet und Steuern zahlt, ist über das Sozialversicherungssystem abgesichert. Das soziale Netz ist in Norwegen nach wie vor relativ dicht. Hierzu gehören neben der medizinischen Versorgung die Alters-, Hinterbliebenen-, Behindertenrenten, Unfallversicherung, Arbeitslosenunterstützung oder Sozialhilfe. Finanziert wird das Ganze über Steuern und die staatliche Sozial- und Rentenversicherung. Sowohl Arbeitnehmer als auch Arbeitgeber zahlen Sozialversicherungsbeiträge, wobei der Arbeitgeberbeitrag höher ist. Die Beträge sind regional etwas unterschiedlich und werden direkt vom Einkommen einbehalten.

Die Krankenversicherung ist in Norwegen staatlich organisiert und beinhaltet alle wichtigen medizinischen Leistungen. Allerdings werden für bestimmte Behandlungen Eigenanteile fällt, die auf einen jährlichen Maximalbetrag begrenzt sind. Deshalb besitzen viele Norweger noch eine private Krankenversicherung.

Aufenthaltsgenehmigung für Norwegen

Norwegen gehört nicht zu Europäischen Union, ist jedoch Teil des Europäischen Wirtschaftsraum (EWR) sowie des Schengen Abkommens. Deutsche Staatsbürger benötigen deshalb keine Arbeitserlaubnis um hier arbeiten oder studieren zu können. Wer sich länger als drei Monate im Land aufhält, muss jedoch eine Aufenthaltsgenehmigung besitzen. Diese kann bereits direkt nach der Einreise beantragt werden.

Voraussetzungen für eine Aufenthaltsgenehmigung sind:

  • gültiger Reisepass oder Personalausweis
  • ausreichende Krankenversicherung
  • Nachweis über ausreichend Vermögen, eine Arbeitsstelle oder eine ausreichend hohe Rente um den Lebensunterhalt zu bestreiten



Wer mindestens sieben Jahre im Besitz einer Aufenthaltsgenehmigung ist, kann die norwegische Staatsbürgerschaft beantragen. Die Möglichkeit einer doppelten Staatsbürgerschaft gibt es dabei nicht.

Sobald eine Aufenthaltsgenehmigung ausgestellt wurde, kann beim Einwohnermeldeamt eine sogenannte P-Nummer beantragt werden. Diese Nummer wird unter anderem zum Ausstellen einer Steuerkarte benötigt. Wurde bereits vorher eine Arbeitsstelle angetreten, führt der Arbeitgeber 50 Prozent des Einkommens an das Finanzamt ab. Zu viel gezahlte Steuern werden über die nächste Steuererklärung verrechnet.