Arbeiten in Italien

Italien zählt zwar nicht zu den klassischen Ländern zum Arbeiten in Europa oder für eine Auswanderung , das besondere Flair mit historischen Städten und dem besonderen Lebensgefühl macht das Land für Auswanderer durchaus attraktiv. Wer sich zu einem solchen Schritt entschließt, sollte jedoch einige Punkte beachten. Denn das Leben in Italien unterscheidet sich in vielen Bereichen von dem in Deutschland.

Wirtschaftliche Lage und Arbeitsmarkt in Italien

Wie viele südeuropäische Länder leidet auch Italien unter einer Rezession.

Mit einer Arbeitslosenquote von 11,7 Prozent (November 2015) liegt das Land zwar im europäischen Durchschnitt, allerdings gibt es ein sehr starkes Nord-Süd-Gefälle. So leidet der Süden unter besonderes hohen Arbeitslosenquoten von bis zu 25 Prozent. Im reicheren Norden sehen die Aussichten auf einen Job bei einer Quote von rund 8,5 Prozent dagegen deutlich besser aus.
Insbesondere das nördliche „Dreieck“ Mailand-Genua-Turin ist wirtschaftlich sehr gut aufgestellt. Ein weiteres Problem ist die hohe Jugendarbeitslosigkeit in Italien. Ende 2015 waren rund 38 Prozent der italienischen Jugendlichen ohne Job.

Zu den wichtigsten Wirtschaftszweigen gehören neben dem Tourismus die Textil- und Bekleidungsbranche, Auto- und Maschinenbauindustrie, Möbelindustrie sowie die chemische Industrie. Die Mehrzahl der Stellenangebote finden sich industriellen Norden des Landes. Ein gewisser Fachkräftemangel ist auch in Italien zu verzeichnen. Die besten Chancen auf dem italienischen Arbeitsmarkt haben:

  • Ärzte und Pflegefachkräfte
  • Ingenieure
  • IT-Spezialisten
  • Handwerker
  • Lehrer und Erzieher
  • Fachkräfte aus dem Gastronomie- und Hoteleriegewerbe
  • Handwerker

In Italien werden offene Stellen traditionell sehr oft über persönliche Kontakte besetzt. Große Unternehmen veröffentlichen ihre Stellenanzeigen häufig nur auf der eigenen Webseite. Zudem sind in allen großen Tageszeitungen, wie Corriere della Sera, Il Gazettino oder Il Giornale, an bestimmten Tagen Stellenanzeigen zu finden. Jobbörsen im Internet sind eine weitere Hilfe bei der Stellensuche.

Situation bei den Löhnen und Gehältern in Italien




Das durchschnittliche Bruttojahreseinkommen liegt in Italien bei rund 25.000 Euro. Was die Einkommensmöglichkeiten betrifft, gibt es ebenfalls ein sehr starkes Nord-Süd-Gefälle. Im Norden liegt das jährliche Pro-Kopf-Einkommen bei etwa 34.000 Euro, wobei Südtirol hier an der Spitze liegt. Dagegen müssen die Menschen im Süden mit durchschnittlich 15.000 Euro pro Jahr auskommen. So sind in den letzten Jahren im strukturschwachen Süden immer mehr Menschen verarmt. Der Durchschnittslohn liegt hier sogar noch unter dem in Griechenland.

Einen festen Mindestlohn gibt es in Italien nicht. Die unteren und mittleren Einkommen liegen teilweise deutlich unter den einer vergleichbaren Tätigkeit in Deutschland. Gleiches gilt auch, was die Einkommen für junge Arbeitnehmer betrifft. In Italien ist es nicht unüblich, dass man bis zum 30. Lebensjahr noch bei den Eltern wohnt. Das liegt ganz einfach daran, dass sich junge Menschen hier kaum eine eigene Wohnung leisten können. Führungskräfte können im Vergleich zu ihren deutschen Kollegen dagegen um einiges mehr verdienen.

Bei Akademikern liegen die italienischen Löhne deutlich unter dem europäischen Durchschnitt. So liegt das monatliche Einkommen eines Lehrers bei rund 1.200 Euro. Selbst als Professor an einer Hochschule verdient man kaum mehr als 1.700 Euro. Lediglich Ärzte kommen auf ein Monatseinkommen von mehr als 2.000 Euro.

Lebenshaltungskosten in Italien

Rund 70 Prozent der Wohnungen in Italien sind Eigentumswohnungen. Dadurch steht Mietinteressenten nur ein begrenztes Angebot zur Verfügung. In der Folge sind Mietwohnungen relativ teuer und zudem oftmals noch in einem schlechten baulichen Zustand. Besonders in den Großstädten wie Rom, Florenz oder Mailand muss mit hohen Mietpreisen gerechnet werden. Im weniger entwickelten Süden sind die Mieten dagegen um einiges geringer.

Das kostet eine Mietwohnung:
Je zentraler die Wohnung, desto höher natürlich auch die Miete. Für eine einfache Zweizimmerwohnung in der Altstadt von Genua mit 35 Quadratmetern muss mit einer monatlichen Kaltmiete von rund 500 Euro gerechnet werden. Dazu kommen noch Nebenkosten für Gas, Wasser und Elektrizität zwischen 80 und 100 Euro.



Die Preise für Lebensmittel liegen etwa 12 Prozent über dem europäischen Durchschnitt und sind im Vergleich etwas höher als in Deutschland. Der Liter Milch kostet im Schnitt 1,30 Euro für das Kilo Brot werden etwa 3,80 Euro fällig. Sparpotenziale ergeben sich beim Einkauf auf lokalen Wochenmärkten. Insbesondere frische Lebensmittel sind hier deutlich günstiger als im Supermarkt. Dieselfahrer müssen in Italien mit 1,32 Euro für einen Liter besonders tief in die Tasche greifen. Der Liter Super ist mit 1,51 Euro ebenfalls deutlich teurer als in Deutschland. Dazu sind die Prämien für eine Autoversicherung rund 80 Prozent höher als hierzulande. Für die Anmeldung eines Fahrzeugs werden ebenfalls mehrere Hundert Euro fällig.

Steuern und Sozialversicherung in Italien

Wer in Italien eine Arbeit aufnimmt, wird vom Arbeitgeber bei der Sozialversicherung registriert. Ein Großteil der Sozialleistungen wird vom Nationalinstitut für Soziale Fürsorge NISF erbracht. Das NIFS ist unter anderem für Invaliditäts- und Hinterbliebenenrenten, Arbeitslosengeld, Krankengeld, Mutterschaftsgeld, Lohnausgleichszahlungen und Leistungen für finanziell schwache Familien oder Rentner zuständig. Hierfür werden Arbeitnehmern rund 9 Prozent vom Bruttogehalt abgezogen. Der Arbeitgeberanteil ist mit etwa 30 Prozent deutlich höher.

Unternehmen versichern ihre Mitarbeiter beim Nationalen Institut für Arbeitsunfälle (INAIL) gegen Arbeitsunfälle und Berufskrankheiten. Die Krankenversicherung wird in Italien weitgehend aus Steuergeldern finanziert. Zudem beteiligt sich der Arbeitgeber mit einem kleinen Anteil daran. Für den Arbeitnehmer entstehen dagegen keine zusätzlichen Kosten. Im Gegenzug sind die Steuerbelastungen in Italien recht hoch. Die Steuersätze bewegen sich je nach Einkommen zwischen 23 und 43 Prozent.

Wer selbstständig in Italien arbeiten möchte, zahlt bis zu einem Jahreseinkommen von 5.000 Euro keine Sozialabgaben. Sind die Einnahmen höher ist eine Anmeldung beim NISF erforderlich. Anschließend werden Sozialversicherungsbeiträge von 30 Prozent fällig. Inklusive der vollen Einkommenssteuer gehe ca. 50 Prozent des erzielten Einkommens an den Staat.

Tipps zu Behördengängen in Italien

Wer in Italien leben und arbeiten möchte, braucht zunächst eine Steuernummer, die „codice fiscale“. Die Steuernummer gibt es gegen Vorlage eines Personalausweises oder Reisepasses beim zuständigen Finanzamt („Agenzia delle Entrate“). Ausgehändigt wird die Steuernummer in Form einer Kreditkate, welche man immer mit sich führen sollte. Verlangt wird diese unter anderem beim Abschluss eines Mobilfunkvertrags oder der Eröffnung eines Bankkontos. Zudem kann ohne „codice fiscale“ kein Arbeitsvertrag ausgestellt werden.




Eine Anmeldung als Neubürger ist im Gegensatz zu Deutschland nicht zwingend vorgeschrieben. Da die „Residenza“ jedoch für andere Behörden erforderlich ist, sollte man sich relativ zügig bei der örtlichen Stadtverwaltung anmelden. Neben Personalausweis oder Reisepass sollten hierfür alle bereits vorhandenen Dokumente mitgebracht werden. Hierzu gehören „codice fiscale“, Arbeitsvertrag, eine Bescheinigung über die Anmeldung zur Krankenkasse und eventuell einen Mietvertrag oder eine Bescheinigung über das Wohnverhältnis. Wurde der Wohnsitz beantragt kommt nach einigen Wochen ein Mitarbeiter der Kommune an der angegebenen Adresse vorbei. Nach erfolgreiche Prüfung des Wohnsitzes kann die Bestätigung etwa einen Monat später abgeholt werden.