Arbeiten in Frankreich

Viele Deutsche haben ihren Urlaub schon einmal in Frankreich verbracht und sind von Landschaft, Kultur und der französischen Lebensweise begeistert. Warum also nicht seinen Lebensmittelpunkt im Nachbarland einrichten. Auch wenn ein Umzug für EU-Bürger problemlos möglich ist, gilt es dabei einiges zu bedenken. Neben der Suche nach einem Job sind Bürokratie und Sprache zwei wichtige Hürden. Um in Frankreich leben und arbeiten zu können sind gute Französischkenntnisse zwingend erforderlich. Die Franzosen sind sehr stolz auf ihre Sprache und erwarten, dass diese auch von Engländern beherrscht wird.

Wirtschaftliche Lage und Arbeitsmarkt in Frankreich

Frankreich gehört zu den Ländern, die besonders hart von der Wirtschafts- und Finanzkrise betroffen sind. So ist die Zahl der Arbeitslosen in den letzten Monaten stark gestiegen. Die Arbeitslosenquote betrug zuletzt rund 10 Prozent. Insbesondere für junge Menschen wird es immer schwieriger einen Job zu finden. Mit einer umfassenden Arbeitsmarktreform soll das Problem nun bekämpft werden.

Für gut ausgebildete Fachkräfte ist es dennoch möglich, einen Job zu finden. Voraussetzung hierfür ist, dass man fließend französisch spricht. Gesucht werden unter anderem:

  • IT-Spezialisten
  • Lehrer und Erzieher
  • Pflegekräfte
  • Mitarbeiter im Hotel- und Gastronomiegewerbe
  • Mitarbeiter im Verkauf- und Servicebereich
  • Elektrotechniker
  • Ingenieure

Frankreich ist der größte landwirtschaftliche Erzeuger in der Europäischen Union. Dabei nimmt vor allem die Produktion von Weinen und Spirituosen eine herausragende Rolle ein. Zu den Wachstumsbranchen gehören außerdem die Luftfahrtindustrie, Umwelttechnik, Bauwirtschaft, die chemische Industrie sowie die Dienstleistungsbranche. Die französische Volkswirtschaft wurde in den letzten Jahren immer mehr privatisiert, wobei die meisten Berufe auch für Ausländer zugänglich sind. Für einige Tätigkeiten wie Arzt oder Lehrer ist jedoch eine staatliche Zulassung erforderlich.

Löhne und Gehälter in Frankreich

In Frankreich wurde bereits 1950 ein gesetzlicher Mindestlohn festgelegt. Dieser liegt aktuell bei rund 1.460 Euro pro Monat. Nach Angaben der europäischen Statistikbehörde Eurostat liegt das Durchschnittseinkommen bei 28.847 Euro jährlich. Daraus ergibt sich ein Bruttomonatseinkommen von 2.403,91 Euro. In der Dienstleistungsbranche und der Industrie sind die Gehälter generell etwas höher. Mitarbeiter in diesen Bereichen dürfen mit einem durchschnittlichen Jahresgehalt von 32.413 Euro rechnen.

Beispiele für Durchschnittsgehälter in verschiedenen Branchen:

  • Industrie- und Bauwesen: 35.000 Euro
  • Chemie: 33.000 Euro
  • IT-Dienstleistungen: 36.000 Euro
  • Spedition und Logistik: 33.000 Euro
  • Großhandel: 31.000 Euro
  • Automobil: 32.000 Euro

Zu beachten ist, dass es bezüglich der Einkommensmöglichkeiten deutliche Unterschiede zwischen den einzelnen Regionen gibt. So liegen die Löhne und Gehälter in Paris um rund 40 Prozent über dem Landesdurchschnitt, wobei die Lebenshaltungskosten hier auch um einiges höher sind. Entlang der Mittelmeerküste verdienen die Menschen ebenfalls überdurchschnittlich gut. Im Landesinneren bewegen sich die Einkommensmöglichkeiten dagegen oftmals deutlich unter dem Durchschnitt.

Wohnungssuche in Frankreich




In Frankreich eine Wohnung zu finden ist gar nicht so einfach. Dies gilt insbesondere, wenn der Lebensmittelpunkt nach Paris verlegt werden soll. Zum einen liegen die Mietpreise hier deutlich über dem Niveau deutscher Großstädte und zum anderen ist der Wohnraum äußerst knapp.

Mietwohnungen werden in Frankreich fast ausschließlich über Immobilienmakler angeboten. Dabei werden an Mieter sehr hohe Anforderungen gestellt. So muss unter anderem ein ausreichendes Einkommen nachgewiesen werden, welches das drei bis vierfache des Mietpreises beträgt. Des Weiteren wird ein Bürge benötigt welcher in Frankreich lebt und Steuern bezahlt. Es gibt verschiedene Organisationen, die bei der Suche nach einem Bürgen behilflich sind. Jeder Bewohner Frankreichs, muss über seinen Erstwohnsitz eine Wohnsteuer („Taxe d’habitation“) bezahlen. Dabei spielt es keine Rolle, ob man Mieter oder Eigentümer ist. Als Kaution darf der Vermieter maximal eine Kaltmiete verlangen.

Die Mietpreise in den größeren Städten wie Paris, Lyon oder Marseille sind deutlich höher wie in ländlichen Regionen. In der Hauptstadt liegt die durchschnittliche Miete bei rund 30 Euro pro Quadratmeter. In anderen Städten wie Strasbourg, Marseille oder Nizza muss mit einem Quadratmeterpreis von etwa 13 Euro gerechnet werden. In kleineren Städten können Wohnungen schon ab 7 Euro pro Quadratmeter gemietet werden. Allerdings sind hier die Chancen auf einen gut bezahlten Job um einiges geringer.

Weitere Lebenshaltungskosten in Frankreich

Die Lebenshaltungskosten sind in etwa mit denen in Deutschland vergleichbar, wobei es auch hier große regionale Unterschiede gibt. In Paris und Südfrankreich sind diese um einiges höher als beispielsweise in den Regionen am Atlantik. Nach Angaben von Eurostat liegen die Lebenshaltungskosten etwa neun Prozent über dem europäischen Durchschnitt. Besonders für Fleisch und Wurstwaren müssen die Franzosen tief in die Tasche greifen. Tabakwaren sind aufgrund der hohen Steuer ebenfalls sehr teuer. Die Preise für alkoholische Getränke sind dagegen relativ günstig. Wer beim Einkauf sparen möchte, sollte einen der Supermärkte in den Randgebieten aufsuchen.

Die Preise für Benzin lassen sich in etwa mit denen in Deutschland vergleichen. Wer in Frankreich den öffentlichen Personennahverkehr nutzt, zahlt für ein One-Way-Ticket etwa 1,60 Euro.

Steuern und Sozialversicherung in Frankreich

Das französische Sozialversicherungssystem wird wie in Deutschland durch Beiträge von Arbeitgebern und Arbeitnehmern sowie mit Steuern finanziert. Der Unterschied zwischen Brutto- und Nettogehalt liegt bei etwa 20 Prozent. Beiträge zur Sozialversicherung werden vom Arbeitgeber abgeführt, nicht jedoch die Einkommenssteuer. Diese muss vom Arbeitnehmer nach Einreichen der Steuererklärung einmal jährlich entrichtet werden. Als Faustregel gilt eine jährliche Belastung von zwei bis drei Monatsgehältern.

Die Sozialversicherung ist in fünf Bereiche unterteilt:

  1. Krankheit, Mutter- und Vaterschaft, Invalidität und Tod
  2. Arbeitsunfälle und Berufskrankheiten
  3. Altersversorgung
  4. Familienleistungen
  5. Beiträge und Beitreibung

Außerdem gibt es die Arbeitslosenversicherung, welche alle Arbeitnehmer des allgemeinen und des landwirtschaftlichen Sozialversicherungssystems umfasst. Anspruch auf Arbeitslosengeld besteht immer dann, wenn der Betroffene im Vorfeld mindestens sechs Monate am Stück sozialversicherungspflichtig beschäftigt war.

Die Krankenkasse übernimmt rund 70 Prozent der Kosten für Behandlungen und Medikamente. Den Rest müssen Versicherte aus eigener Tasche bezahlen. Deshalb besitzen die meisten Franzosen noch eine private Zusatzversicherung.

Aufenthaltsgenehmigung in Frankreich

EU-Bürger können sich uneingeschränkt in Frankreich aufhalten und dort arbeiten. Für die Einreise wird lediglich ein Personalausweis oder Reisepass benötigt. Wer dauerhaft in Frankreich lebt und arbeitet benötigt eine Sozialversicherungsnummer („numero de securité social“), welche auch als Steuernummer dient. Diese wird von der „Assurance Maladie“ ausgestellt, wobei verschiedene Dokumente vorgelegt werden müssen:

  • Personalausweis oder Reisepass
  • Nachweis eines Bankkontos
  • Arbeitsvertrag
  • beglaubigte Kopie der Geburtsurkunde
  • Nachweis der vorigen Krankenversicherung
  • Wohnsitznachweis

Die Anmeldung eines Wohnsitzes ist in Frankreich nicht zwingend vorgeschrieben, erleichtert jedoch viele Dinge im Alltag wie die Eröffnung eines Bankkontos.

Wer mindestens fünf Jahre in Frankreich lebt, seinen Lebensunterhalt selbst bestreitet und nie straffällig geworden ist, kann die französische Staatsbürgerschaft beantragen. Es gibt die Möglichkeit der doppelten Staatsbürgerschaft. Die deutsche Staatsbürgerschaft darf man also bei Erwerb der französischen behalten.

Eröffnung eines Bankkontos in Frankreich




Um in Frankreich ein Bankkonto zu eröffnen werden ebenfalls einige Unterlagen benötigt. Hierzu gehört der Nachweis eines festen Wohnsitzes, ein Einkommensnachweis sowie Personalausweis bzw. Reisepass. Zu den Besonderheiten in Frankreich gehört, dass ohne einen festen Wohnsitz kein Konto eröffnet werden kann und man ohne Bankkonto keine Wohnung bekommt. Die meisten Vermieter erstellen deshalb eine vorläufige Bestätigung, welche dann bei der Bank vorgelegt werden kann. Die meisten Dinge werden in Frankreich mit der „Carte Bleue“ (Kreditkarte) bezahlt. Zudem ist das Scheckheft hier noch ein weitverbreitetes Zahlungsmittel. Anders als in Deutschland werden die Miete oder Strom- und Telefonrechnungen nicht per Lastschrift oder Dauerauftrag bezahlt, sondern mittels Scheck.