Arbeiten in England oder Schottland

Großbritannien ist nicht nur aufgrund der Sprache ein beliebtes Land für Auswanderer. Die Löhne sind ähnlich wie in der Schweiz höher als in Deutschland, wobei jedoch auch höhere Lebenshaltungskosten zu beachten sind. Wie in allen Ländern gibt es auch in Großbritannien starke regionale Unterschiede. Auf dem Land ist beides niedriger als in der Hauptstadt London oder anderen Großstädten wie Edinburgh und Glasgow in Schottland. Die Beherrschung der englischen Sprache ist Grundvoraussetzung um in Großbritannien beruflich und privat Fuß fassen zu können.

Wirtschaftliche Lage und Arbeitsmarkt in Großbritannien

Mit einer Arbeitslosenquote von 5 Prozent liegt Großbritannien deutlich unter dem europäischen Durchschnitt. Hier macht sich die Flexibilisierung des Arbeitsmarktes positiv bemerkbar. Ein Großteil der britischen Wirtschaft befindet sich im Südosten des Landes. Hier finden sich auch die besten Jobmöglichkeiten. In Nordengland, Schottland, Nordirland und Wales liegt die Arbeitslosenquote dagegen recht deutlich über dem Landesdurchschnitt. Gleiches gilt auch für einige Branchen wie der verarbeitenden Industrie.

Auf Studienabschlüsse wird in Großbritannien weit weniger Wert gelegt als in anderen Ländern. Wesentlich wichtiger ist eine gewisse Berufserfahrung sowie das perfekte Beherrschen der englischen Sprache. Zu den Berufsgruppen mit sehr guten Chancen gehören:

  • Ärzte, Krankenschwestern und Krankenpfleger
  • Zahnärzte
  • Sozialarbeiter
  • IT-Spezialisten
  • Mitarbeiter in der Finanzbranche
  • Mitarbeiter in der Pharmaindustrie
  • Mitarbeiter im Gastronomie- und Hoteleriegewerbe



London ist der größte europäische Finanzplatz mit einer hohen Dichte an Banken und Versicherungen. Dazu hat hier eine Vielzahl von europäischen Konzernen einen Sitz. Wer einen Job in der Computer- oder High-Tech-Branche sucht findet im Thames Valley sehr gute Möglichkeiten. Die produzierende Industrie hat sich insbesondere im Raum Birmingham, Manchester angesiedelt. Die Region Newcastle ist Hochburg der Chemie, Nanotechnologie und Spielesoftware. Die Universitätsstadt Cambridge beherbergt zahlreiche Biotech- und Pharmaunternehmen. In London und an den Küsten ist zudem der Tourismus ein wichtiger Wirtschaftszweig.

Löhne und Gehälter in Großbritannien

In Großbritannien werden Löhne und Gehälter in der Regel wöchentlich ausgezahlt. Es gibt einen Mindestlohn, welcher zum Jahresbeginn 2016 auf 7,20 Pfund angehoben wurde. Bis 2020 soll der Mindestlohn auf rund 9 Pfund, umgerechnet 11,50 Euro steigen. Die Einkommen sind in Großbritannien sehr stark von Branche und Region abhängig. Im Landesdurchschnitt liegen diese etwas unter dem deutschen Einkommensniveau. Es gibt dabei eine große Bandbreite zwischen Top-Verdienern in der Finanzbranche weniger gut bezahlten Jobs in der Industrie. Im Durchschnitt verdienen die Briten etwa 550 Pfund pro Woche bzw 28.000 Pfund im Jahr. Im Vergleich zu Deutschland werden vom Bruttogehalt weniger Steuern und Abgaben abgezogen, sodass unter Strich oftmals mehr übrig bleibt.

In Großbritannien eine Wohnung finden

Kaufen ist im vereinigten Königreich günstiger als mieten. Rund 70 Prozent der Briten wohnen in den eigenen vier Wänden. Die Mieten sind um einiges höher als hierzulande, was insbesondere für die Hauptstadt London gilt. Hier müssen für ein WG-Zimmer bereits rund 750 Pfund auf den Tisch gelegt werden. Für eine durchschnittliche Wohnung müssen monatlich etwa 1.500 Pfund einkalkuliert werden.

Betrachtet man sich das gesamte Königreich, fallen die Durchschnittsmieten immer noch höher als in München aus. Rund 17,13 Euro kostet der Quadratmeter im Schnitt. Für eine Wohnung mit 72 Quadratmetern macht dies rund 1.230 Euro im Monat. Die Heizkosten sind bei diesem Preis noch nicht eingerechnet.
Etwas günstiger fallen die Mieten im Norden von England sowie in Schottland und Wales aus. In Schottland zählt Edinburg zu den teuersten Städten. Vor einer Bewerbung sollte man sich unbedingt über das Mietpreisniveau in der jeweiligen Region erkundigen.

Ein weiteres Problem ist die Wohnungssuche, da freier Wohnraum zumeist nur in den lokalen Zeitungen angeboten werden. Wer bereits von Deutschland aus eine Wohnung mieten möchte, kommt um einen Makler nicht herum.

Weitere Lebenshaltungskosten in Großbritannien

Neben den Mieten sind auch die restlichen Lebenshaltungskosten höher als in Deutschland. Im europäischen Vergleich liegen diese rund 15 Prozent über dem Durchschnitt. Besonders in den Großstädten müssen die Briten für Lebensmittel, Kinokarten oder Restaurantbesuche tief in die Tasche greifen. Für einen Restaurantbesuch zu zweit ist beispielsweise mit 150 bis 200 Pfund zu rechnen.

Wer beim Einkaufen Preise vergleicht, kann auch in Großbritannien kräftig sparen. Sehr populär sind beispielsweise Aktionen, bei denen drei Produkte zum Preis von zwei angeboten werden.

Steuern und Sozialversicherung Großbritannien

Die britische Sozialversicherung umfasst eine Absicherung gegen Arbeitslosigkeit, Invalidität, Arbeitsunfälle, Berufskrankheiten, Mutterschaft, Witwenschaft sowie außerdem die Altersversorgung. Die Beiträge werden von Arbeitnehmern und Arbeitgebern gemeinsam gezahlt. Im Gegensatz zu Deutschland sind auch Selbstständige in vollem Umfang sozialversicherungspflichtig.

Wer weniger als 75 Pfund pro Woche verdient ist von den Sozialabgaben befreit. Ansonsten werden zumeist rund 12 Prozent des Lohns durch den Arbeitgeber abgeführt. Ab einem Verdienst von 814 Pfund pro Woche wird ein höherer Abschlag fällig. Das britische Steuersystem kennt drei Sätze. Jahreseinkommen von bis zu 35.000 Pfund werden mit 20 Prozent besteuert. Für höhere Einkommen bis 150.000 Pfunde werden 40 Prozent Steuern fällig. Darüber hinaus gilt der Spitzensteuersatz von 50 Prozent. Steuerzahler haben einen jährlichen Freibetrag von rund 7.500 Pfund. Dazu gibt es Steuererleichterungen für Familien.

Eine klassische Krankenversicherung kennt das britische Sozialsystem nicht. Wer in Großbritannien lebt und arbeitet, hat kann die medizinischen Leistungen des staatlichen Gesundheitsdienst National Health Service (NHS) kostenlos in Anspruch nehmen. Die Finanzierung erfolgt über Steuermittel. Aufgrund von langen Wartzeiten und teilweise unzureichenden Behandlungen besitzen viele Briten noch eine private Krankenversicherung.

Aufenthaltsgenehmigung in Großbritannien

EU-Bürger benötigen in Großbritannien keine Aufenthaltsgenehmigung oder Arbeitserlaubnis. Für die Einreise ist lediglich ein gültiger Personalausweis oder Reisepass erforderlich. Im Gegensatz zu Deutschland gibt es keine Meldepflicht beim Einwohnermeldeamt. Wer länger als sechs Monate in Großbritannien lebt, kann eine Aufenthaltsgenehmigung beantragen, ist hierzu jedoch nicht verpflichtet. Ausgestellt wird diese durch das „Home Office-Immigration and Nationality Department“. Alternativ ist auch die Beantragung über das Internet möglich.

Wer die britische Staatsbürgerschaft beantragen möchte, muss sich mindestens ein Jahr im Land aufgehalten haben oder darf dieses in den letzten fünf Jahren für nicht mehr als 450 Tage verlassen haben. Zudem dürfen keine Vorstrafen vorhanden sein.

Steuerkarte in England beantragen und Bankkonto eröffnen

Wer langfristig in Großbritannien lebt und arbeitet benötigt eine Sozialversicherungsnummer („National Insurance Number“). Diese wird durch das lokale Sozialversicherungsbüro („Social Security Office“) ausgestellt.




Wer ein Bankkonto eröffnen möchte, muss eine Wohnadresse in Großbritannien nachweisen. Zudem muss eine Arbeitsstelle nachgewiesen werden. Wenn eines von beiden oder beides fehlt, wird es schwieriger, aber nicht unmöglich, ein Konto zu eröffnen. Da es keine Meldepflicht gibt, werden auch Rechnungen des Energieversorgers als Wohnsitznachweis anerkannt. Es gibt zudem die Möglichkeit online ein Konto zu eröffnen. Allerdings sollte man sich dann bereits drei Monate im Land aufhalten, da in diesem Fall häufig Rechnungen mit der Wohnadresse der letzten drei Monate verlangt werden.