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 Der Zahnarzt in Spanien - Qualität und Kosten
   

Viele, wenn nicht eine Mehrheit, der deutschen Zahnärzte denken ernsthaft darüber nach, ob sie nicht ihr berufliches Glück anderswo suchen sollen. Die Regulierungswut hierzulande stranguliert doch zu sehr, als dass man fröhlich und unbeschwert seiner Profession nachgehen könnte. Und die neueste „Gesundheitsreform“ tut ihr übriges dazu - trotzdem der deutsche Zahnarzt schon längst die rote Laterne bei den Honor5aren übernommen hat (will heißen, er bekommt am wenigsten) kürzt die Regierung fröhlich weiter. Da ist es sicher klug, über berufliche Alternativen nachzudenken. So haben viele deutsche Zahnärzte in Skandinavien, Australien oder England ihr Auskommen gefunden, und dort wollen sie auch gar nicht mehr weg. Ja, sogar Australien, obwohl das ja nicht gerade um die Ecke liegt.

Nun gibt es ja auch eine Auswandererwelle Deutscher nach Spanien, und Touristenziel Nummer eins sind die spanischen Feriengebiete sowieso. Da ist doch die Idee naheliegend, den Patienten zu folgen und ihnen in ihrem neuen Zuhause den gewohnten Service anzubieten – und mit den Urlaubern kann man sowieso rechnen. Also, nachdem Spanien ja der EU angehört, ist prinzipiell die Niederlassung möglich, das dürfen die Spanier an sich nicht verhindern. Trotzdem ist es nicht ganz so einfach, wie eine Zahnärztin, die sich auf Fuerteventura eingerichtet hat, berichtet.

„Spanien ist kein Rechtsstaat“ – eine harte Aussage, die sie dann genauer belegt. So habe sie ihre Tätigkeit schon vor Jahren begonnen, aber, der Vermieter kam auf die schlaue Idee, die Miete von ihren Einnahmen abhängig zu machen. Da hatte die Zahnärztin irgendwann die Nase voll von permanenten Mietsteigerungen und ist mit der Praxis umgezogen. Nun geht das aber nicht so einfach – bei uns zeigt man das der Behörde an, und die Sache ist erledigt. Nicht so in Spanien. Dort ist die Kommune (die Gemeindeverwaltung) zuständig. Nun hat sie sofort eine vorläufige Genehmigung bekommen ihre Praxis in ein Ärztehaus zu verlegen. Und seitdem – das ist schon ein paar Jahre her – wartet sie immer noch auf die definitive Erlaubnis. „Ich arbeite hier nur auf Widerruf, die Kommune kann mir jederzeit ohne Ankündigung den Laden zusperren“. Alle Eingaben und Beschwerden waren bisher ohne Erfolg, man wirft ihr sogar Untätigkeit vor, weil sie nicht dafür gesorgt habe, die permanente Erlaubnis zu erhalten. Nur, was soll sie machen? Der Bürgermeister stellt sich taub und stumm, da kann man nichts tun. Also lebt sie mit der Unsicherheit und weiß, wenn es hart kommt, dass sie wird zahlen müssen – da sind die wohl gnadenlos. So ist sie zwar den unverschämten Vermieter los, muss aber damit rechnen, dass jetzt die Gemeindevertreter die Hände aufhalten.

Ein Problem ist auch, dass es in Spanien keine Versicherung für Zähne gibt. Das heißt, alle Patienten sind „Privatpatienten“, im wahren Sinne, ohne Versicherung, die die Kosten erstatten würde. Nun verdienen die Spanier ja bei weitem nicht so viel wie die Deutschen, das sollte sich herumgesprochen haben. Gleichzeitig sind die Zahnarztpreise kaum niedriger als bei uns, geht gar nicht, weil die Materialien und Geräte auch nicht zum Nulltarif zu erhalten sind. Und weil das so ist, leisten sich die spanischen Patienten eben nur eine deutlich abgemagerte Form der Zahnheilkunde – einfache Klammer- oder Vollprothesen sind die Regel. Denn, Extraktionen werden als ärztliche Leistung betrachtet, die der Zahnarzt erbringt, und die werden von der Versicherung bezahlt. Alles andere ist dann Privatsache. Kein Wunder, dass die Spanier primär mit schlichten Prothetikarbeiten herumlaufen.

Und die deutschen Touristen? Nun ja, es gibt ja spanische Inseln, auf denen sich „Promis“ ein Anwesen gekauft haben. Wer mit denen als Zahnarzt schon mal zu tun gehabt hat, weiß, dass die für ihre Zähne auch nichts ausgeben wollen, die erwarten, dass man sie umsonst behandelt. Es sei ja Werbung, wenn man sie umsonst therapieren dürfte. Und ansonsten lassen sie sich sowieso lieber zuhause von dem Zahnarzt ihrer Wahl betreuen. Der „Normaltourist“ am Ballermannstrand aber, der gibt auch in Deutschland kaum Geld aus für den Zahnarzt. Es sind ja nicht unbedingt die Arrivierten unserer Gesellschaft, die in Spanien Billigurlaub machen.
Beim Besuch bei der Zahnärztin saßen so ein paar deutsche Urlauber im Wartezimmer. Man kriegt dann ja auch einiges mit. Da ging´s drum, dass die Prothese ein bisschen gezwickt hat. Kann man kaum viel Geld verdienen damit, kostet aber immer noch mehr als in Deutschland.

Noch ein richtiges Problem hat die Zahnärztin beklagt: es gibt auf Fuerteventura insgesamt sechs Zahnärzte, nicht viel für eine Ferieninsel, auf der sich immer mehr Deutsche dauerhaft einkaufen. Und die Rentner haben Geld und sind an einen höheren zahnmedizinischen Standard gewohnt als die Einheimischen. Könnte man als Vorteil ansehen. Es gibt jedoch keinen einzigen Zahntechniker dort – vielleicht gibt´s ja Zahntechniker als Urlauber oder sonstwie, nur welche die arbeiten bzw. ein Labor betreiben, das findet man nicht. Nun müssen alle Arbeiten auf´s Festland geschickt werden – und da steckt auch der Teufel im Detail. Die Botendienste sind unzuverlässig, so die Aussage. Da kommt es schon mal vor, dass die Prothesen, die zur Reparatur geschickt wurden, nie wieder auftauchen. Was macht man da? Ist ja kein einträgliches Geschäft, die Prothesen – die für die Patienten wertvoll sind, im doppelten Sinne – dann kostenlos neu anzufertigen. Denn, auch das ist Realität: die Botendienste bzw. die Post versichern das Gut nicht in entsprechender Höhe, sie verweigern die finanziellen Ersatz.

Es ist sicher so, dass in den Zentren wirtschaftlicher Stärke, auf dem Festland, sagen wir Madrid oder Barcelona, eine zahlungskräftige und vor allem zahlungswillige Klientel heranwächst – nur, dort sind die Märkte verteilt, d.h., bei den möglichen Schikanen (siehe oben) wird es für den deutschen Zahnarzt schwer, sehr schwer, eine Niederlassung genehmigt zu bekommen. Die Buttertöpfe verteilen die Spanier schon selber unter sich. Als Deutscher, der nach Spanien ausgewandert ist, stellt sich damit die Alternative: entweder nach Hause fliegen zur Behandlung, oder den schlechteren Standard vor Ort in Kauf nehmen. Jedenfalls – man hat kein Sprachproblem, es gibt in den beliebten Gebieten ausreichend deutsche Zahnärzte!
Und kosten tut´s im Prinzip genauso viel wie zuhause…

 

 

 

 
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Autoren des Wegweisers

Dr. Gerhard Hetz, München. zahnmedizinischer Fachjournalist.

Antonie Müller, München

   
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