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Lohnt sich eine Zahnarzt Behandlung in Polen?
   

In Polen kann man recht preisgünstig den Führerschein erwerben. Zu einem Bruchteil dessen, was man bei einer deutschen Fahrschule bezahlen muss. Und kosmetische Chirurgie – Fettabsaugen, Gesichtskorrektur, Brustvergrößerung etc. – scheint ja auch
viel billiger als bei uns. Könnte also stimmen, dass auch Zahnarztleistungen günstiger wären? Vergleichen darf man aber nicht nur den Preis, man muss auch die Qualität einbeziehen, sonst ist ein Vergleich nichts wert.

Bei der zahnärztlichen Qualität kann man nicht meckern ...
Die zahnärztliche Ausbildung ist in Polen, wie praktisch überall auf der Welt, modern und keinesfalls schlechter als bei uns. Das Curriculum der zahnärztlichen Ausbildung ist international, Wissen ist heute eben unteilbar. Nun möchte man meinen, die beste Ausbildung nütze nichts, wenn zu wenig Geld für die Praxiseinrichtung da ist. Das sieht aber in Polen ganz anders aus – die Technik ist meistens neuer als bei uns, die Kollegen dort entschuldigen sich schon, wenn eine Einheit älter als 5 Jahre ist. Könnte einem bei uns wohl kaum passieren. Dem Augenschein nach arbeiten die polnischen Kollegen auf hohem Niveau – die Qualität der Arbeiten ist auf den ersten Blick hervorragend. Dies wird auch von Prof. D. Georg Meyer von der Universtität Greifswald bestätigt, der mit der Uni Stettin gute Beziehungen unterhält (in manchen Projekten kooperieren die beiden Einrichtungen). Auch die Servicequalität ist äußerst beeindruckend In Polen reagieren die Zahnärzte sehr flexibel auf die Marktanforderungen. Die Praxen haben häufig rund um die Uhr geöffnet (!), 24 Stunden am Tag, 7 Tage die Woche. Um dies leisten zu können, schließen sich mehrere Kollegen zusammen. Und weil es dabei sinnvoll ist, dass nicht alle die gleichen Tätigkeitsschwerpunkte haben, werden die diversen Therapierichtungen von jeweils dafür spezialisierten Zahnärzten angeboten bzw. die Kollegen haben ihren Tätigkeitsschwerpunkt so ausgerichtet.


So kann sich ein Patient gut aufgehoben fühlen – er/sie wird ja von einem für das jeweilige Problem spezialisierten Zahnarzt behandelt. Überall schießen so „Dental Clinics“ aus dem Boden – damit ist ja auch das Investitionsrisiko auf mehrere Schultern verteilt. Insbesondere Leistungen, die bevorzugt nachgefragt werden, werden auch angeboten und beworben – die Werbung ist schlicht und trotzdem auffällig: die Praxiszusammenschlüsse zeigen auf den Praxisschildern die Namen der Zahnärzte mit den jeweiligen Tätigkeitsschwerpunkten. So etwas wirkt vertrauensbildend. Da sehr viele Patienten aus dem europäischen Ausland kommen, wird bevorzugt am Wochenende (da haben die Besucher die nötige Zeit) gearbeitet, und wenn es irgend möglich ist, wird die Therapie zügig durchgezogen – ein Patient kann dann mit vielleicht einer Übernachtung amOrt eine Therapie abgeschlossen erhalten. Man hat sich auch weitergehend den Marktanforderungen anzupassen gewusst. Jeweils ein Kollege spricht eine andere Fremdsprache, sodass es praktisch für alle Zielgruppen einen Ansprechpartner in der Muttersprache gibt. Bevorzugt wird Englisch und Deutsch gesprochen. Einzelpraxen auf dem Rückzug Es soll nicht unterschlagen werden, dass es neben diesen hochmodernen Behandlungszentren selbstverständlich auch richtig konservative Einzelpraxen gibt – nur, die sind auf dem Rückzug. Die Kollegen haben auch in Einzelpraxen reichlich zu tun, haben aber das Problem, dass sie für Patienten nicht so attraktiv sind. Die Öffnungszeiten sind reduziert, und eine umfassende Zahnheilkunde wird mangels der dafür nötigen Spezialisierung auch nicht angeboten. So wird in den Einzelpraxen vorwiegend Prothetik gemacht. Die Recherchen haben ergeben, dass ein Patient die prinzipiell gleiche Palette an Leistungen nachfragen kann wie bei uns auch. Allerdings scheint es mehr Implanteure zu geben, zumindest fallen implantologisch tätige „Dental Clinics“ eher im Straßenbild auf. Da böte es sich doch wirklich an, drüben „fremdzugehen“. Nachteilig wäre höchstens, dass es schon lästig ist, zur Nachbehandlung – und die kann man ja nie ausschließen – extra ins Ausland fahren zu müssen.

Aber, wenn sich’s rentiert ...

Doch halt, die Preise sind auch nicht von schlechten Eltern Also macht es Sinn, auch nach den Preisen zu fragen. Und da gehen einem die Augen über. Die Polen arbeiten keinesfalls mit Dumpingpreisen, eher im Gegenteil. Da werden prinzipiell Preise genannt, die auf identischem Niveau liegen wie bei uns in einer normalen Praxis. Dabei verdienen die Polen doch gar nicht so viel – ein monatliches Durchschnittseinkommen von umgerechnet weit untergroßen Sprünge. Wer also kann die hohen Preise bezahlen? In Stettin z.B. ist der Großteil der Patienten gar nicht polnischer Nationalität, sondern die Patienten kommen aus Skandinavien, England und Deutschland. Und die können sich das leisten, insbesondere, weil Zahnheilkunde in den skandinavischen Ländern nicht von der Versicherung, sondern aus eigener Tasche zu bezahlen ist – und billig ist es dort gewiss nicht. Die Skandinavier haben ja auch keine Gebührenordnung. Die gelisteten Preise (siehe Original-Tabelle) hängen in den Praxen aus. Es wird prinzipiell bar bezahlt, so wie man das auch aus der Schweiz kennt. Alternativ kann man auch mit der Kreditkarte zahlen – ein Rechnungsversand mit Zahlung zu einem späteren Zeitpunkt wird nicht praktiziert. Man kann dann auch auf eine Rechnung verzichten und kriegt dafür einen etwas besseren Preis. Das ist ja allgemein üblich in Europa. Die Preise werden auch von Einheimischen gefordert, und werden von ihnen zwar mit Stöhnen, aber ohne Murren bezahlt. Man darf nicht vergessen, wenn eine einfache Füllung etwa umgerechnet 12 € kostet, dann ist das bei einem Monatseinkommen eines Lehrers von 250 € schon ganz schön viel. Bei uns kostet eine Füllung etwa das gleiche bis maximal das doppelte (Kassensatz), und hier verdient ein Müllwerker 4.000 € im Monat (Angaben des statistischen
Bundesamts).


Fazit: Bei kritischer Betrachtung kommt man zu dem Schluss, dass es sich wegen angeblich niedrigerer Preise kaum lohnen dürfte, zur Behandlung nach Polen zu fahren – wegen des vorzüglichen Service hingegen schon eher.

 

 

 
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Autoren des Wegweisers

Dr. Gerhard Hetz, München. zahnmedizinischer Fachjournalist.

Antonie Müller, München

   
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