Studenten benötigen eine Krankenversicherung

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Ein Student benötigt eine Krankenversicherung, wenn er sich an einer Hochschule oder Universität einschreiben möchte, denn er wird dann versicherungspflichtig. Doch damit kommen auch viele Fragen auf: Soll es privat oder gesetzlich sein? Wo sind die Unterschiede? Wie sind die Kosten? Gibt es spezielle Tarife für Studenten? Wie verhält es sich bei einem Zivildienst, einem freiwilligen sozialen Jahr oder bei ausländischen Studenten? Worauf sollte bei der Auswahl der Krankenkasse geachtet werden? Diese Fragen und viele weitere werden im folgenden umfangreichen Ratgeber beantwortet, der nützliche Tipps und eine gute Entscheidungshilfe bietet.

Krankenversicherungspflicht bei Studenten

In Deutschland ist es Pflicht, dass Studenten krankenversichert sind, ganz gleich, ob in einer gesetzlichen oder privaten Krankenversicherung.

Diese Kranken- und Pflegeversicherungspflicht beginnt mit der Immatrikulation (Einschreibung an der Hochschule oder Universität) und endet gewöhnlich nach dem Ablauf des 14. absolvierten Semesters oder mit dem vollendeten 30. Lebensjahr. Nur mit diesem Versicherungsschein, mit dem die Mitgliedschaft nachgewiesen wird, ist es möglich, sich als Student an einer Universität zu bewerben und einzuschreiben.

PKV und GKV: Studenten können wählen

Auch Studenten stellen sich die Frage, ob sie sich lieber gesetzlich oder privat krankenversichern sollen. Beide Versicherungstypen weisen Vor- und Nachteile auf, sodass jeder individuell für sich wählen muss. Dabei sollte berücksichtigt werden, dass die Entscheidung für die Zeit des Studiums bindend ist. Im Studium ist es nicht mehr möglich, von der gesetzlichen in die private Krankenversicherung und umgekehrt zu wechseln. Ein Wechsel ist lediglich im ersten Vierteljahr nach der Immatrikulation möglich. Studienanfänger sollten sich grundsätzlich gut beraten lassen, ob die private oder gesetzliche Krankenversicherung für sie besser geeignet ist.

Unterschiede zwischen der privaten und gesetzlichen Krankenversicherung

Die größten Unterschiede betreffen in erster Linie die Leistungen der Krankenversicherung und die zu zahlenden Beiträge. Die privaten Krankenversicherungen bieten meist umfangreichere Leistungen an, was im Krankheitsfall zu einer besseren Absicherung führt. Die gesetzliche Krankenversicherung ist hingegen preiswerter, sodass jeder Student für sich entscheiden muss, was persönlich wichtiger ist.

Allerdings können manche Studenten in der privaten Krankenversicherung von finanziellen Vorteilen profitieren.

Kinder von verbeamteten Eltern sind ebenso über die Beihilfe versichert und können somit sparen. Hierbei gilt es jedoch zu beachten, dass diese Beihilfe an den Bezug von Kindergeld gekoppelt ist, sodass sich der Student mit dem 25. Geburtstag selber privat krankenversichern muss.

Zur gesetzlichen Krankenversicherung zu wechseln ist während des Studiums dann unmöglich. Des Weiteren versichern die privaten Krankenversicherungen „ältere Studenten“ oder in vorangeschrittenen Fachsemestern oftmals günstiger, denn von der GKV wird für diese Gruppen nicht mehr der preiswerte Tarif für Studenten angeboten. Ganz egal, welche Krankenkasse gewählt wird, ein Vergleich ist auf jeden Fall empfehlenswert, da sich die verschiedenen Krankenkassen in Bezug auf den Leistungsumfang und die Beiträge zum Teil ganz erheblich unterscheiden.

Vorteile der PKV für Studenten:

  • Freie Wahl des Arztes und Krankenhauses
  • Anspruch auf Behandlung durch den Chefarzt im Krankenhaus
  • Unterbringung nach Wunsch im Ein- oder Zweibettzimmer
  • Erstattung der Kosten für alternative Heilmethoden
  • Bei Fachärzten sind kurzfristige Termine möglich

Von welchen Vorteilen der Student genau profitiert, hängt letzten Endes von der speziellen Tarifwahl ab.

Kosten der gesetzlichen und privaten Krankenversicherung für Studierende

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Die angebotenen Leistungen der Kassen sind gut, aber dennoch kann es sich lohnen, die Studententarife zu vergleichen, bevor eine Entscheidung getroffen wird. Es ist empfehlenswert, sich als Student im Vorfeld zunächst einmal mehrere Angebote einzuholen und diese sorgfältig miteinander zu vergleichen. Wer die Tarife detaillierter unter die Lupe nimmt, erkennt schnell große Unterschiede, was nicht nur den Preis betrifft, sondern insbesondere auch die Leistungen und Vertragskonditionen.

Studenten können hinsichtlich der Krankenversicherung einiges an Kosten sparen, da es für sie spezielle Tarife gibt, mit denen die Police im Vergleich zu Arbeitnehmern viel günstiger wird. Fällt die Wahl auf eine private Krankenversicherung, sollte man als Student abwägen, welche angebotenen Leistungen sinnvoll sind und welche eher ungenutzt bleiben werden. Anbieter von gesetzlichen Krankenversicherungen hingegen sehen meist Pauschalangebote vor, sodass in den gesetzlichen Krankenkassen weitgehend identische Beiträge berechnet werden. Einige Kassen locken jedoch mit Zusatzleistungen und Beitragsrückerstattungen. Daher ist ein Vergleich der unterschiedlichen Kassen auch hier für Studenten sinnvoll. Weitere allgemeine Informationen zu den Kosten der PKV.

Familienversicherung für Studenten beitragsfrei

Bei der Wahl der Krankenkasse ist zu beachten, dass Studenten bis zum Alter von 25 Jahren bei der Krankenkasse, bei der ein Elternteil gesetzlich versichert ist, beitragsfrei mitversichert sein können. Dies ist jedoch an einige Bedingungen geknüpft, beispielsweise an die Einkommensverhältnisse. Das monatliche Einkommen des familienversicherten Studenten darf beispielsweise maximal 405 Euro und bei einer geringfügigen Beschäftigung höchstens 450 Euro betragen.

Zu den Ausnahmen gehören Jobs in den Semesterferien, da diese zu den unregelmäßigen Einnahmen zählen. Die Familienversicherung ist die kostengünstigste Möglichkeit für Studenten. Wenn ein Student jedoch zu viel verdient, kommt diese Versicherungsform nicht mehr infrage. Bei privat versicherten Eltern gelten andere Bestimmungen. Wer während oder nach der Beendigung des Studiums einen Freiwilligen- oder Wehrdienst leistet, darf für diesen Zeitraum länger beitragsfrei in der Familienversicherung bleiben.

Krankeversicherung für ausländische Studenten

Wer an einer Hochschule oder Universität in Deutschland studieren möchte, ist gesetzlich dazu verpflichtet, eine Krankenversicherung nachzuweisen. Ansonsten ist eine Immatrikulation nicht möglich. Studenten, die aus Ländern kommen, die nicht zur EU gehören, müssen sich auch für eine kürzere Studienzeit in Deutschland gesetzlich versichern, beispielsweise bei einem Austauschsemester. Entsprechend des Landes, aus dem der Student stammt, gelten folgende Regeln:

* Studenten aus EU-Ländern, Island, Liechtenstein, der Schweiz und Norwegen: Studenten, die in ihrem Heimatland gesetzlich versichert sind, müssen sich für eine kürzere Studienzeit wie einem Austauschsemester oder -jahr in Deutschland nicht zusätzlich versichern. Es ist lediglich die Bestätigung der Krankenkasse im Heimatland durch eine deutsche Krankenkasse erforderlich.
* Studenten aus Tunesien, Kroatien, der Türkei, aus Mazedonien, Serbien, Bosnien-Herzegowina und Montenegro: Studenten aus diesen Ländern, die gesetzlich versichert sind, müssen sich nicht zusätzlich in Deutschland versichern, da mit den Ländern bilaterale Sozialversicherungsabkommen geschlossen wurden. Wichtig ist es hierbei nur, dass eine Krankenkasse in Deutschland gefunden wird, die die Krankenversicherung des Auslands anerkennt, was sich häufig als schwierig herausstellt.

Krankenversicherung für Studenten bei Auslandssemestern




Ein Auslandssemester bietet für die Studenten gute Erfahrungen und wird auch gern im Lebenslauf gesehen, wenn der Studienabschluss auf der internationalen Basis absolviert wurde. Es besteht zudem die optimale Möglichkeit, andere Länder und deren Kulturen kennen zu lernen und wertvolle Eindrücke zu sammeln. Für ein Studium kann der Aufenthalt im Ausland daher sinnvoll sein, wobei er nicht selten sogar erwartet wird. Die Herausforderung ist hierbei auch, eine geeignete Krankenversicherung abzuschließen. Die gesetzliche Krankenkasse übernimmt im Ausland nur ein eingeschränktes Spektrum an Leistungen und oftmals leistet sie bei einem Auslandsaufenthalt gar nicht. Krankenrücktransport oder ähnliches sind beispielsweise nicht versichert.

Zusatzschutz über private Krankenversicherung sinnvoll

Es ist empfehlenswert, über eine private Krankenversicherung einen ergänzenden, günstigen Zusatzschutz abzuschließen. Diese Tarife werden speziell für Studenten preiswert angeboten. Damit werden die Behandlungskosten, die ambulant und stationär anfallen, für den Zeitraum des Aufenthalts im Ausland übernommen. Ohne diesen Schutz können im Ausland bei Erkrankungen, Verletzungen oder Unfällen hohe Kosten entstehen, die ohne eine Absicherung aus der eigenen Tasche bezahlt werden müssen. Die Lücken, die durch das gewährte Leistungsspektrum im Ausland entstehen, werden durch den privaten Zusatztarif geschlossen. Meist genügt eine kostengünstige Auslandszusatzversicherung, um optimal versorgt zu sein.  Nicht zu verwechseln mit einer klassischen Zusatzversicherung wieder der Zahnzusatzversicherung!

In welchem Bereich und in welcher Höhe von der gesetzlichen Krankenversicherung ein Schutz geleistet wird, kann bei seiner Kasse erfragt werden.

Bafög-Zuschüsse zur Krankenversicherung

Das Bafög dient dazu, dass Studenten während des Studiums ihren Lebensunterhalt finanzieren können. Dazu zählt ebenso die Krankenversicherung, denn auch diese wird bezuschusst. Wer Anspruch auf das Bafög hat und sich selber krankenversichern muss, kann von einem Zuschuss zur Ausbildungsförderung profitieren.

Die Zuschüsse für die Kranken- und Pflegeversicherung betragen insgesamt 86 Euro pro Monat. Damit werden nahezu die gesamten Kosten der gesetzlichen Krankenversicherung für Studenten abgedeckt. Zur privaten Krankenversicherung hingegen gibt es keinen extra Bafög-Zuschuss, auch wenn die Kosten für die Krankenversicherung, die monatlich anfallen, eigentlich höher sind. Der Zuschuss wird nicht automatisch gezahlt, sondern muss beantragt werden. Zu beachten ist, dass er im Höchstsatz des Bafögs bereits enthalten ist und demzufolge nicht zusätzlich hinzugerechnet wird.

Die Fakten zum Thema Krankenversicherung für Studenten

  • Zu Studienbeginn kann gewählt werden, ob der Student in die gesetzliche oder private Krankenversicherung gehen möchte.
  • Die Gesetzliche Krankenversicherung ist während des Studiums meist die bessere Wahl.
  • Bis zum Alter von 25 sind Studenten in der gesetzlichen Krankenkasse ihrer Eltern kostenlos familienversichert, falls sie ein bestimmtes Einkommen nicht überschreiten.
  • Der Beitrag zur Kranken- und Pflegeversicherung beträgt in der gesetzlichen Krankenkasse monatlich bei rund 80 Euro für Kinderlose. In der privaten Krankenversicherung hängt der Beitrag von den Leistungen und der gewählten Kasse ab, ist aber etwas teuerer.
  • Die entsprechende persönliche und familiäre Situation gibt Aufschluss darüber, ob eher eine gesetzliche oder private Krankenversicherung lohnenswert ist.
  • Gesetzlich versicherte Studenten sollten sich über Zusatzversicherungen oder Auslandsreise-Krankenversicherungen informieren, um eine bestmögliche gesundheitliche und medizinische Versorgung beanspruchen zu können.
  • Studenten, die mit dem Beginn des Studiums älter als 30 Jahre alt sind, müssen mit höheren Beiträgen rechnen.
    Wer während des Studiums privat versichert ist, kann im Anschluss nicht zurück wechseln, falls er sich selbstständig macht.

Wie geht es nach dem Studium weiter?

krankenversicherung nach dem Studium

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Wenn das Studium beendet ist, besteht grundsätzlich die Möglichkeit, eine neue Krankenkasse auszuwählen. Studenten, die innerhalb der gesetzlichen Krankenkassen wechseln, bleiben 1,5 Jahre an die Kasse gebunden. Das Gleiche ist der Fall, wenn nichts unternommen wird. Dann verlängert sich die Krankenversicherung automatisch. Anders verhält es sich, wenn in eine private Krankenkasse gewechselt wird. Dies ist schneller möglich. Im Allgemeinen hat die Wahl der Versicherung während des Studiums ebenso Auswirkungen auf die Zeit, die danach folgt. Ein Systemwechsel ist nicht immer ohne Probleme möglich:

  • Studenten, die nach der Vollendung des Studiums als Angestellter arbeiten, haben keine Probleme. Wer zuvor gesetzlich versichert war, kann dies auch weiterhin bleiben. Wer privat versichert war, kann sich zwischen der gesetzlichen und privaten Krankenversicherung entscheide
  • Wer sich nach dem Studium selbstständig macht und bisher gesetzlich versichert war, kann sich für beide Varianten entscheiden. In der Regel ist die gesetzliche Kasse jedoch zunächst die bessere Wahl, denn wer einen Existenzgründerzuschuss erhält, bezahlt in der gesetzlichen Krankenversicherung niedrigere monatliche Mindestbeiträge. Erst wenn das Geschäft besser läuft, ist der Wechsel in die Private Krankenversicherung empfehlenswert. Studenten, die allerdings privat versichert waren, müssen dies als Selbstständige auch bleiben.
  •  Studenten, die im Anschluss verbeamtet werden, können und sollten sich privat versichern, da sie von der Beihilfe profitieren.
  • Studenten, die nach dem Studium keine Arbeit finden, erhalten meist kein Arbeitslosengeld I, denn sie haben noch nicht in die Arbeitslosenversicherung eingezahlt. Bei gesetzlich Versicherten wird in diesem Fall ein Regelbeitrag berechnet, während für privat Versicherte nur die Möglichkeit des Wechsels in den Basistarif besteht, um weniger Beiträge zu zahlen. In die gesetzliche Krankenversicherung können Studenten nur dann wechseln, wenn sie früher schon einmal Arbeitslosengeld I bezogen haben, da sie angestellt waren.



Fazit zur Studentenkrankenversicherung

Die Wahl der passenden Krankenversicherung ist für Studenten sehr wichtig, denn während des Studiums besteht keine Möglichkeit zum Wechseln zwischen der privaten und der gesetzlichen Krankenversicherung. Daher sollten sich Studenten im Vorfeld ausreichend mit dem Thema beschäftigen und sich beraten lassen. Genauso wichtig ist es, sich nach der getroffenen Entscheidung für eine gesetzlichen oder private Krankenversicherung einen sorgfältigen Vergleich durchführen, da vor allem bei der privaten Krankenkasse die Preise und Leistungen zum Teil ganz erheblich variieren. Es gibt Versicherungsgesellschaften, die für Studenten spezielle Tarife anbieten, die viel kostengünstiger sind.